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Fluoride sind lebenswichtige und in der Natur vorkommende Spurenelemente, ohne die der menschliche Körper nicht existieren könnte. Knochen brauchen Fluorid, um zu reifen und die Zähne brauchen es, um wiederstandsfähig zu werden. Fluoride sind in diversen Nahrungsmitteln und in unserem Trinkwasser enthalten, jedoch in sehr unterschiedlicher Konzentration.
Fluor - Fluorid/ Chlor - Chlorid
Oft werden die Begriffe "Fluor" und "Fluorid" verwechselt und in Argumentationen wild durcheinander gewürfelt. Zur Erklärung: Fluor ist ein tatsächlich giftiges chemisches Element, Fluorid ist das Salz des Fluors. Bekannte Fluorsalze sind z.B. Natriumfluorid und Aminfluorid; diese sind nur in extremen Mengen giftig.
Ein ähnliche chemisches Phänomen kennt man z.B. auch vom Chlor: In seiner reinen Form (Chlorgas) ist es giftig, als Salzverbindung (Chlorid, z.B. Natriumchlorid, Kochsalz) ist es, wie man weiß, lebensnotwendig. Überdosiert wird auch Kochsalz giftig.
Wie wirkt Fluorid?
Solange sich die Zähne im Körper entwickeln und noch nicht in die Mundhöhle vorgedrungen sind, werden sie über den Blutkreislauf ernährt und gelangen dort zur Reife. Später wird nur noch das Zahninnere über das Blut erreicht, der harte sichtbare Zahnschmelz steht in einem dauerhaften Gleichgewicht zwischen Entkalkung und Zahnhärtung. Die Entkalkung findet durch den ständigen Angriff von säureproduzierenden Kariesbakterien statt, die Zahnhärtung insbesondere durch eine kontinuierliche Fluoridzufuhr. Deshalb ist es wichtig, dass die Zähne regelmäßig mit fluoridhaltigem Speichel umspült werden.
Zahnhärtung von innen oder außen?
Lange waren sich die Wissenschaftler nicht einig, ob die Fluoridierung von innen (Aufnahme durch den Körper während der Reifephase der Zähne) oder von außen (lebenslange Fluoridzufuhr direkt am Zahnschmelz) sinnvoller ist.
Die alte Lehrmeinung favorisierte die innere Anwendung. Deshalb bevorzugte man Fluoridtabletten, einzunehmen bis zum zwölften Lebensjahr. Auch die Fluoridierung während der Schwangerschaft wurde empfohlen.
Heute weiß man, dass die besseren Erfolge mit der äußeren Anwendung erreicht werden. Deshalb ergeben sich heute folgende mögliche Fluoridergänzungen:
Fluorid im Trinkwasser
Zur Kariesvermeidung wäre ein Trinkwasserwert von einem Millionstel (ein ppm) sinnvoll, wie er z.B. in einigen Regionen der Eifel vorkommt. 90% des deutschen Trinkwassers enthält jedoch nur ein Viertel des gewünschten Wertes. Deswegen wäre es sinnvoll, Fluorid künstlich zuzuführen. Dies ist in Deutschland aber politisch nicht durchsetzbar, obwohl sich dieses Verfahren, z.B. in der Schweiz, bewährt hat.
Deshalb ist man hierzulande auf andere Fluoridierungsmaßnahmen angewiesen.
Kochsalzfluoridierung
Seit einigen Jahren steht dem deutschen Verbraucher fluoridiertes Kochsalz zur Verfügung. Meist ist es mit Jodid kombiniert. Leider dürfen diese Salze weder in der Gastronomie noch in Fertiggerichten verwendet werden. Damit ist eine kontinuierliche Fluoridgabe noch sehr schwierig. Trotzdem ist die Kochsalzfluoridierung die Zahnhärtung der Zukunft.
Tablettenfluoridierung
Bis vor kurzer Zeit sah man die Fluoridtabletten bis zum zwölften Lebensjahr als geeigneteste Fluoridierungsmaßnahme an. Die Dt. Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde hat diese Empfehlung im Jahr 2000 deutlich eingeschränkt. Eine ausgewogene Ernährung unter Anwendung von fluoridiertem Kochsalz kann die Tabletten ersetzen.
Falls dennoch Fluoridtabletten zahnärztlich verordnet werden, (z.B. bei sehr hohem Kariesrisiko oder Ablehnung der Kochsalzfluoridierung) gilt:
Die Tabletten sollten gelutscht und nicht zerkaut werden. Der Sinn dieser Tabletten ist nicht die innere Fluoridierung über den Körper, sondern die äußere über den Zahnschmelz. Es gibt deshalb auch Erwachsene, für die diese Art der Fluoridierung sinnvoll sein kann.
Fluoridierung durch Zahnpasten
Zahnhärtungen wirken ganz besonders an sauberen Zähnen. Deshalb sind fast alle Zahnpasten fluoridiert. Sogar die Kinderzahnpastahersteller haben den Fluoridgehalt der Zahnpasten in den letzten Jahren verdoppelt. Neuerdings wird auch die Fluoridierung über die Zahnpasta schon vom ersten Zähnchen an empfohlen.
Zusätzliche Maßnahmen:
Es gibt Gelees, die einmal wöchentlich anstatt Zahnpasta benutzt werden und diverse fluoridierte Mundwasser, die als tägliche Spülung eingesetzt werden können. Zusätzlich haben diese Mundwässer auch eine antibakterielle Wirkung.
Fluoridierungsmaßnahmen in der Zahnarztpraxis
Eine ganz besonders effektive Zahnoberflächenhärtung erreicht man durch die Fluoridierung beim Zahnarzt. In Zusammenhang mit der professionellen Zahnreinigung ergibt sich ein mehrmonatiger Langzeitschutz.
Schadet zu viel Fluorid?
Akute Vergiftungserscheinungen wegen Überdosierung sind nahezu aus-geschlossen. Dazu müsste beispielsweise ein 15 kg schweres Kind etwa 300 Fluoridtabletten (250mg) auf einmal zu sich nehmen. Stehen den Zähnen während der Reifephase (0 bis 12 Jahre) zu viel Fluorid zur Verfügung, können sich weiße Flecken bilden. Sie sind zwar zahnmedizinisch unbedenklich, stellen aber oft ein ästhetisches Problem dar.